Mehr Nachhaltigkeit beim Reisen. Die Frage der Urlaubsform – all inclusive, Kreuzfahrt oder Camper?
Kreuzfahrten sind für mich schwierig
Ich persönlich bin kein Fan von Kreuzfahrten. Für mich widerspricht diese Art des Reisens vielem von dem, was ich unterwegs suche: länger an einem Ort bleiben, in das Leben vor Ort eintauchen, lokale Restaurants entdecken und Menschen kennenlernen.
Hinzu kommt die Umwelt- und Klimabelastung. Das Umweltbundesamt zählt Kreuzfahrten – ebenso wie Flugreisen – zu den besonders klimaschädlichen Formen des Urlaubsverkehrs. Auch Luftschadstoffe, der Energiebedarf an Bord und die Belastung stark frequentierter Häfen spielen bei der Bewertung eine Rolle.
Für mich persönlich ist deshalb klar: Eine Kreuzfahrt kommt nur in Ausnahmefällen in Frage.
Wer diese Art des Reisens liebt, darf das natürlich anders sehen. Aber ich würde zumindest empfehlen, bei der Auswahl genauer hinzuschauen: auf die eingesetzte Antriebstechnik, Emissionen, Landstromnutzung, Schiffsgröße und darauf, wie die Aufenthalte an Land organisiert werden.
All-inclusive und Vollpension – Urlaub in der „Blase“
Ich bin selbst vom Fach und doch immer wieder perplex über die günstigen All-inclusive-Angebote, die auf dem Markt existieren. Gerade kürzlich ging ich an einem Reisebüro vorbei, das mit 799 € für eine Woche Dominikanische Republik inklusive Flug und AI-Hotel warb. Da frage ich mich schon: Wie kann bei einem solchen Gesamtpreis am Ende noch genug für gute Lebensmittel, faire Arbeitsbedingungen und die Leistung der Menschen vor Ort übrig bleiben?
Ich persönlich bin kein großer Fan von All-inclusive. Denn wenn ich meine Mahlzeiten, Getränke und vielleicht sogar die Ausflüge schon im Hotel bezahlt habe, gibt es natürlich weniger Anlass, außerhalb essen oder trinken zu gehen. Restaurants, Cafés, Strandbars, kleine Ausflugsanbieter, Straßenhändler, Kunsthandwerker oder lokale Guides profitieren dann möglicherweise weniger von meinen touristischen Ausgaben.
Das bedeutet nicht, dass jedes All-inclusive-Hotel schlecht wirtschaftet oder nichts in der Region ankommt. Entscheidend ist auch hier, wie eine Anlage arbeitet: Werden Menschen aus der Region beschäftigt und angemessen bezahlt? Werden Lebensmittel und andere Produkte vor Ort eingekauft? Arbeitet das Hotel mit lokalen Guides und Unternehmen zusammen?
Hinzu kommt, dass viele AI-Anlagen sehr groß sind. Große Hotelanlagen können einen erheblichen Flächen-, Energie- und Wasserbedarf haben – besonders problematisch kann das in wasserarmen Regionen oder an ökologisch sensiblen Küsten sein. Man denke beispielsweise an Strände, an denen Meeresschildkröten ihre Eier ablegen.
Und dann gibt es noch einen ganz persönlichen Grund, weshalb All-inclusive selten meine Art zu reisen ist: Wer die meiste Zeit innerhalb einer Hotelanlage verbringt, bekommt vom Leben außerhalb dieser Anlage naturgemäß weniger mit. Ich möchte aber genau das: rausgehen. Im Restaurant um die Ecke essen. Über einen Markt schlendern. Einen lokalen Guide kennenlernen. Und auch einmal dort landen, wo es keine Poolbar und kein All-inclusive-Bändchen gibt.
Denn für mich gehört genau das zum Reisen dazu: Das Kennenlernen der Gastgeberkultur, damit „Urlaub bildet“.
Kleine, inhabergeführte Unterkünfte anstatt große, internationale Ketten
Ich liebe kleine, inhabergeführte Hotels. Das ist für mich ein wichtiger Teil des Reiseerlebnisses. Oft sind sie persönlicher, individueller und stärker mit ihrem Ort verbunden als große internationale Häuser.
Und ich finde es grundsätzlich gut, wenn möglichst viel von meinem Reisebudget im Reiseland und möglichst direkt bei den Menschen vor Ort ankommt.
Dabei lohnt es sich allerdings, etwas genauer hinzuschauen: Klein und inhabergeführt bedeutet nicht automatisch nachhaltig. Interessanter finde ich die Fragen: Wem gehört die Unterkunft? Wer arbeitet dort? Wo werden Lebensmittel und andere Produkte eingekauft? Arbeitet das Hotel mit lokalen Guides, Fahrern, Handwerkern und anderen Unternehmen zusammen? Und wie geht es mit Wasser, Energie und Abfall um?
Denn genau daran lässt sich viel besser erkennen, wie stark eine Unterkunft tatsächlich zur lokalen Wertschöpfung beiträgt.
Und was ist mit Airbnb und Ferienwohnungen?
Auch bei Airbnb und Ferienwohnungen schaue ich inzwischen genauer hin. Eine Ferienwohnung kann natürlich einem Menschen aus dem Ort gehören, der damit sein Einkommen verdient. Sie kann aber genauso Teil eines größeren gewerblichen Portfolios sein oder einem Eigentümer gehören, der weit entfernt – vielleicht sogar in einem anderen Land – lebt. Dann bleibt möglicherweise weniger von meiner Übernachtungsausgabe direkt am Reiseziel.
Hinzu kommt ein anderes Problem: In Städten und Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt können touristisch vermietete Wohnungen mit regulärem Wohnraum konkurrieren. Wie groß dieser Effekt ist, hängt stark vom jeweiligen Reiseziel und dessen Regulierung ab.
Für mich persönlich ist die Konsequenz ziemlich einfach: Ich lasse von Ferienwohnungen und Airbnb meistens die Finger und buche lieber ein Hotel. Bei einem kleinen, inhabergeführten Hotel kann ich häufig leichter erkennen, wer dahintersteht, wer dort arbeitet und wie stark das Haus vor Ort verwurzelt ist.
Das heißt übrigens nicht, dass eine internationale Hotelkette grundsätzlich die schlechtere Wahl sein muss. Auch große Hotels können Menschen aus der Region beschäftigen, lokal einkaufen, Umweltstandards einhalten und gute Arbeitsbedingungen bieten.
Meine persönliche Wahl fällt trotzdem fast immer auf das kleine Hotel. Nicht weil „klein“ automatisch „nachhaltig“ bedeutet, sondern weil genau diese Häuser für mich häufig das spannendere und persönlichere Reiseerlebnis bieten.
Und wenn dann noch nachvollziehbare Umwelt- und Sozialstandards dazukommen: umso besser.